Heumenge

Der Winter geht langsamer vorüber als erhofft, bei manchen Pferden verstärkt sich ihr winterliches Fütterungsproblem damit vermehrt.  Im Moment ist zum Beispiel Facebook wieder voll von Hilferufen: "Mein Pferd ist dünn! Was kann ich tun?". Die erste Frage, die sich hier immer stellt ist: Wie viel Heu wird gefüttert und eine der häufigsten Antworten ist dann: das Pferd hat 24 Stunden Heu zur freien Verfügung. Das beantwortet nur leider nicht die Frage nach der täglich gefressenen Heumenge. Wenn ein Pferd trotz qualitativ hochwertigem Heu, welches rund um die Uhr zur freien Verfügung steht, deutlich abbaut, sollte man als erstes die gefressene Heumenge überprüfen anstatt Kraftfutter oder andere Zusatzfutter zu geben. Das Pferd sollte mindestens 2 bis 3 kg je 100 kg Körpergewicht fressen oder mehr. Das entspricht bei einem 600 kg schweren Warmblut 12 bis 18 kg Heu täglich. Wenn das Pferd diese Menge nicht erreicht, sollte man die Ursachen erforschen und abstellen, bevor man mit Kraftfutter nachhilft und das Problem vielleicht noch verschärft. Dass stark beanspruchte Sportpferde neben der maximalen Heumenge zusätzlich eventuell Kraftfutter benötigen, will ich dabei natürlich nicht in Abrede stellen.

 

Die drei häufigsten Ursachen von wenig gefressenem Heu sind:

 

1. schlechte Qualität: auch ohne eine Analyse zu machen, kann man mit den eigenen Sinnen die Heuqualität zumindest grob überprüfen: Staub, muffiger Geruch oder eine total blasse Farbe deuten auf Qualitätsmängel hin. Bei Zweifeln ist immer eine Analyse angeraten! Außerdem sollte immer nur Heu aus dem 1. Schnitt gefüttert werden, alle folgenden Schnitte sind meist zu strukturarm.

 

2. Zu wenige Fressstellen für zu viele Pferde und eine gestresste Herdenstruktur: bei Gerangel um die besten Fressplätze ziehen die rangniedrigen Pferde oft den kürzeren. Bei instabilen Herden oder bei denen es immer wieder zu Rangeleien beim Fressen kommt, muss mindestens eine (besser zwei oder drei) Fressstelle mehr eingerichtet werden, als Pferde in der Herde sind.

 

3. Magenprobleme. Pferde mit Magenreizungen, -entzündungen oder -geschwüren brauchen recht weiches Heu, um es ohne Schmerzen fressen zu können. Steht dieses nicht zur Verfügung, dann fressen sie lieber weniger. Wenn dann hier mit viel Getreide zum Auffüttern entgegengewirkt wird, verschlimmert man eher die Magenproblematik. Bei solchen Pferden sieht man sofort, dass sie weicheres Heu viel besser fressen. Außerdem ist eine Behandlung des Magens und der Verzicht auf Getreide notwendig, um das Problem nachhaltig zu beheben.

 

Diese drei Punkte sollte man mindestens überprüfen, bevor man über eine Kraftfutterergänzung nachdenkt. Bevor Getreide gefüttert wird, kann man eher zu Esparsette-Cobs greifen, die ähnlich viel Energie wie Hafer enthalten, jedoch komplett stärkefrei sind. Diese sind auch wunderbar für Pferde mit Magen- und Darmproblemen geeignet. 

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