Glyphosat im Pferd?!

Seit einigen Jahren wird der Einsatz des Totalherbizids (Herbizid = Unkrautvernichtungsmittel, total = wirkt nicht selektiv, sondern „tötet“ alle Pflanzenteile) Glyphosat in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Ich möchte heute gern auf den Bezug zur Pferdeernährung eingehen.

 

Trotz, dass es vor nicht allzu langer Zeit von einer Arbeitsgruppe der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft wurde, ist Glyphosat, vor allem das bekanntesten Mittel Round-Up®, auch für Privatpersonen frei käuflich und wird auch leichtfertig von Privatpersonen im Garten und an Wegesrändern eingesetzt.

 

 

Glyphosat wirkt, indem es sich nach der Aufbringung in der ganzen Pflanze verteilt und einen wichtigen enzym-gebundenen Stoffwechselweg der Pflanze hemmt. Außerdem werden viele in der Pflanze enthaltene Mineralstoffe (Magnesium, Calcium, Eisen, Mangan,…) zu festen Komplexen (Chelaten) verbunden, sodass diese für die Pflanze nicht mehr nutzbar sind. Dies führt in Summe zum Absterben der behandelten Pflanze. Menschen und Tiere besitzen zwar nicht dieses Enzym, an welchem Glyphosat in der Pflanze angreift, trotzdem ist die Wirksamkeit von Glyphosat nicht im pflanzlichen Bereich abgeschlossen, sondern es wirkt nachweislich auch im Stoffwechsel von Säugetieren nach der Aufnahme über behandelte Lebensmittel, Futter oder Einstreu weiter.

20 bis 30 % des aufgenommenen Glyphosats werden im oberen Magen-Darm-Trakt von Säugetieren absorbiert und die maximale Glyphosat-Konzentration kann dann fünf bis sechs Stunden nach der Aufnahme im Blut nachgewiesen werden. Zudem ist wissenschaftlich belegt, dass Glyphosat im Gewebe akkumuliert, also eingelagert und auch angereichert wird. Somit kann es auch im tierischen Organismus zu ähnlichen Vorgängen wie in der Pflanze kommen: Die Mineralstoffe stehen den Tieren nicht mehr für wichtige Prozesse im Körper zur Verfügung, Mangelerscheinungen und ihre Begleitsymptome können die Folge sein.

 

An der Universität Leipzig wurde in dem Bereich – Glyphosat im tierischen Organismus – in den letzten Jahren intensiv durch die Veterinärmedizinerin Prof. Dr. Monika Krüger und ihr Team am Institut für Bakteriologie und Mykologie geforscht. Sie konnten bei Rindern, bei denen Glyphosat im Urin gefunden wurde, nachweisen, dass diese unter einem Mangel an Kupfer, Mangan, Selen und Kobalt litten. Auch symptomatisch waren diese Tiere auffällig. Die Spurenelementsmängel wirkten sich unter anderem auf die Hautgesundheit und die korrekte Stellung der Vordergliedmaßen aus. Bei Blutuntersuchungen waren zudem einige Leberwerte in Abhängigkeit von der im Urin nachgewiesenen Glyphosatmenge erhöht. Das Team aus Leipzig konnte auch zeigen, dass die Pansenflora von Rindern durch das Glyphosat nachhaltig geschädigt wird, da Glyphosat auch eine spezifisch-antibakterielle Wirkung hat, die nützlichen Pansenbakterien also teilweise getötet werden. Durch das entstehende Ungleichgewicht der Pansenflora können bösartige Keime, wie zum Beispiel Clostridium botulinum (Auslöser der Vergiftungskrankheit Botulismus), welches im Übrigen glyphosatresistent ist, sich leichter vermehren. Ob das immer häufigere Auftreten von Botulismus in Kuhherden im Zusammenhang mit dem großzügigen Glyphosateinsatz steht, ist eine Vermutung, der aktuell in der Forschung weiter nachgegangen wird.

 

Auch bei Pferden beobachtet man zunehmend Fälle von Mineralmangelerscheinungen und/oder Störungen der Darmflora, die im Groben mit der im Rinderpansen vergleichbar ist. Zusammenhänge mit einer möglichen Aufnahme von Glyphosat wurden leider bisher beim Pferd nicht untersucht. Laut Prof. Krüger ist aber von ähnlichen Vorgängen im Pferdekörper auszugehen, wie sie sich bei Rindern zeigen.

 

Eine Erkrankung der Pferde, die in den letzten Jahren auch immer gehäufter auftritt, steht eventuell ebenfalls im Zusammenhang mit der Ausbringung von Glyphosat: die Atypische Weidemyopathie. Diese Erkrankung tritt ausschließlich bei (meist jungen) Pferden in Weidehaltung auf und betrifft die Muskulatur ohne vorangegangene körperliche Belastung. Sie führt sehr schnell zur Zerstörung der Muskeln – auch des Herzmuskels – und endet meist innerhalb von wenigen Tagen tödlich. Als Hauptauslöser gelten Ahornsamen, die Teerfleckenkrankheit der Ahornblätter und die Giftstoffe der Endophyten, welche Weidegras (vor allem das Deutsche Weidelgras) befallen bzw. in einer friedlichen Ko-Existenz mit dem Weidegras als Fraßschutz leben. Glyphosat selbst begünstigt zum einen den Mineralstoffmangel, der bei allen Pferden mit Atypischer Weidemyopathie nachweisbar ist. Zudem ist anzunehmen, dass; wie bei Rindern; ein chronischer Botulismus ausgelöst werden kann, der zu einer deutlichen Schwächung der Tiere führt und interessanterweise viele übereinstimmende Symptome mit der Atypischen Weidemyopathie aufweist.

 

Zur Behandlung von Pferdeweiden gegen Giftpflanzen oder Beikräuter (zum Beispiel Ampfer) wird durchaus auch von Pferdebesitzern in Unwissenheit zur frei verkäuflichen Kleinpackung Round-Up® gegriffen und damit Glyphosat auf die Weide gebracht. Dabei gibt es mittlerweile auch sehr verträgliche Möglichkeiten der Ampferbekämpfung (demnächst auch Thema hier).

 

Bei Rindern erfolgt die Aufnahme von Glyphosat hauptsächlich durch kontaminiertes Futter:

1.       Importe von genetisch verändertem (Ziel: Glyphosat-Resistenz!) Soja (anderer ist auf dem Weltmarkt kaum noch verfügbar!), Mais und Raps,

2.       Getreide und Stroh, die vor der natürlichen Abreife „abgetötet“ wurden (Sikkation),

3.       kontaminiertes Brunnenwasser.

 

Die Parallelen zu Pferden lassen sich schnell und einfach finden:

1.       kaum ein Pferde-Müsli kommt noch ohne Soja oder Mais aus

2.       Getreide, Stroh (Einstreu und Futterstroh) sind im Pferdestall genauso präsent

3.       Viele Großställe, aber auch etwas abseits gelegene Offenställe ohne Anschluss an das öffentliche Trinkwasser tränken zunehmend mit Brunnenwasser aus Brunnen, die häufig nicht tief genug gebohrt sind und damit vermehrt Oberflächenwasser mit Einträgen aus der Landwirtschaft enthalten.

 

Seit 2014 gibt es nun zunehmend Beschränkungen zur Anwendung von glyphosathaltigen Mitteln. Sie dürfen nur noch zur Abwendung von Schäden eingesetzt werden (z.B. bei Unkrautdurchwuchs in lagernden oder ausnahmsweise auch in stehenden Beständen, wo sonst keine normale Ernte möglich wäre). Allein zur Steuerung des optimalen Erntetermins ist der Einsatz nicht mehr erlaubt. Der Freistaat Bayern geht noch einen Schritt weiter und verbietet teilweise die Verfütterung von behandeltem Stroh. Ob man sich im Einzelfall daran hält, insbesondere wenn es „nur als Einstreu“ verwendet wird, ist jedoch meiner Meinung nach fraglich.

 

Glyphosat kann durch Huminsäuren und Pflanzenkohle gebunden werden, Inwieweit hier eine vorbeugende Anwendung in der Pferdefütterung bei Verdacht auf Glyphosate im Futter sinnvoll ist, muss erst noch geprüft werden. Dass unsere Pferde oft jedoch auch wissen, was ihnen gut tut, sieht man an sich häufenden Berichten darüber, dass Pferde bei Ausritten in den Wald gezielt Waldboden fressen, der in der Regel mit Huminstoffen stark angereichert ist. Ob die Pferde hier bereits zur „Hausapotheke“ greifen, können sie uns leider noch nicht verraten, mit dem Wissen zu Gylphosat sollten wir Ihnen die Aufnahme des Waldbodens aber durchaus ab und an gewähren.

 

Um unsere Pferde den möglichen Gefahren durch Glyphosat weniger auszusetzen, sollten wir:

1.       Müslis und Zusatzfuttermittel mit Soja meiden (wobei ich ja sowieso grundsätzlich nicht viel von Müslis halte).

2.       Einstreu/Futterstroh aus ökologischer Produktion nutzen oder den Landwirt vor dem Kauf fragen, ob Glyphosat angewendet wurde.

3.       Auf eine ausreichende Mineralstoffversorgung achten.

4.       Bei den Weiden auf benachbarte Ackerflächen achten und bei einer vermuteten Glyphosat-Anwendung eine gewisse Zeit andere Weiden nutzen.

5.       Brunnenwasser nur bei geprüfter Wasserqualität (Hinweis auf ausreichende Brunnentiefe) oder Trinkwasser zum Tränken nutzen; Oberflächenwasser aus Bächen ist am besten zu vermeiden, wenn der Bach durch landwirtschaftlich genutzte Flächen fließt.

6.       Bei Ausritten Pferde nicht am Rande von Ackerflächen oder in Obstbaumplantagen grasen lassen.

 

 

Wenn ihr an dem Thema noch weiter interessiert seid, kann ich euch ein Video empfehlen, was bei mir echt ein komisches Gefühl hinterlassen hat: Das Gift im Kuhstall Sterbende Tiere, kranke Menschen

 

Weiteres Material zum Nachlesen findet ihr außerdem beim Klick auf einige meiner Quellen:

1.       Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft. Verwertungseinschränkungen bei Behandlung mit Glyphosat-Herbiziden.

2.       Böhnel, H., Krüger, M., Zessin, K.-H. (2014). Keine Frage: Chronischer Botulismus existiert bei Tier und Mensch, Kritik zum Forschungsergebnis der TiHo. Nutztierpraxis aktuell 49/2014. 36-40.

3.       Brewster, D. W., Warren, J., & Hopkins, W. E. (1991). Metabolism of glyphosate in Sprague-Dawley rats: tissue distribution, identification, and quantitation of glyphosate-derived materials following a single oral dose. Fundamental and applied toxicology, 17(1), 43-51.

4.       BVL (2014). Neue Anwendungsbestimmungen für Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat

5.       Garbers, F. (2017). Neues zur Atypischen Weidemyopathie, Der mysteriöse Tod auf der Weide. www.artgerecht-tier.de

6.       Krüger, M. Huminsäuren beeinflussen die antibakterielle Wirkung des Total-herbizids Glyphosat auf die Fäkalflora und die Ausscheidung über den Urin.

7.       Krüger, M., Neuhaus, J., Shehata, A., Schrödl, W. Glyphosat: Wirkung des Totalherbizids auf Menschen und Tiere. Institut für Bakteriologie und Mykologie Universität Leipzig

8.       Krüger, M., Schledorn, P., Schrödl, W., Hoppe, H. W., Lutz, W., & Shehata, A. A. (2014). Detection of glyphosate residues in animals and humans. Journal of Environmental & Analytical Toxicology, 4(2), 1.

9.       Krüger, M., Schrödl, W., Pedersen, I., & Shehata, A. A. (2014). Detection of glyphosate in malformed piglets. J Environ Anal Toxicol, 4(230), 2161-0525.

10.   Lorenzen, S. (2013). Nervengift für Rinder Chronischer Botulismus und der Einsatz von Glyphosat – ein Lehrbeispiel für politisches Versagen. Kritischer Agrarbericht 2013.

11.   Paganelli, A., Gnazzo, V., Acosta, H., López, S. L., & Carrasco, A. E. (2010). Glyphosate-based herbicides produce teratogenic effects on vertebrates by impairing retinoic acid signaling. Chemical research in toxicology, 23(10), 1586-1595.

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